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Karl Schmidt-Rotluff: Das rote Haus, 1913

Rote Haus_Rotluff

Das rote Haus 1

Rot
Rotblut
Schandblut
Nichts gewusst
hat sie
die Mutter
Natürlich nicht
Nur
das Blut
floss
die Wege hinunter
färbte
das Haus rot
verdunkelte
Himmel     Bäume
Lillys Geist
Hauptsache
Mutti
hat Frieden

Das rote Haus 2

Sie denken
in mir
können sie
alles treiben
D a f ü r
wurde ich nicht gebaut
Dass
Mönchskinder geboren
und sofort zurück in die Erde gehen.

Ich
verbrüdere mich nicht
WUT    ZORN     SCHAM
lasse ich
in meinen Wänden explodieren.
Und alle fragen sich:
Wie
konnte ein grünes Haus
rot werden?

Gwyneth

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Das rote Haus

Mühsam ist der Weg zum roten Haus ~
nur zu Fuß erreichbar ~ und vollbeladen ist mein Korb.
Seine Herrschaft will heute Karpfen speisen
mit Gurkensalat und einer cremigen Suppe vorher.
Der Bursche liegt mit Fieber hernieder, also war ich selbst drunten im Ort auf dem Markt.
Ist auch besser so, da kann der Fischhändler mich nicht einfach übers Ohr hauen.
Aber dieser Weg zurück, den Berg hinauf, der ist doch sehr erschöpfend auf meine alten Tage. Noch ein paar Schritte und dann kann ich mit den Vorbereitungen loslegen.
Hoffentlich sind die Herrschaften heute verträglich miteinander. All zu oft herrscht der Jähzorn in diesen Gemäuern und der Hausfrieden ist dahin ~ Zank und Streit gehen hier öfters ein und aus als der Pastor, der täglich zur Morgenmesse erscheint.
Entspannte Atmosphäre gibt es nicht wirklich ~ es brodelt ewig unter der Ober-fläche … solange bis der nächste Vulkan wieder ausbricht ~ dann fliegen die Fetzen und Gegenstände, dass es nur so kracht. Sie machen vor keinem, mit noch so viel Liebe gekochtem Essen, halt.
Ich frage mich wahrlich, ob ein böser Fluch auf diesem Haus liegt oder ob die rote Hausfarbe dieses Lava ständig zum überkochen bringt… ich vermute fast beides,
denn auch die Vorgänger lagen sich andauernd in den Haaren. Da macht das Leben als Köchen langsam keinen Spaß mehr.

Doch eben am  Gemüsestand lauschte ich einem Gespräch ~ völlig unbeabsichtigt versteht sich ~ und so kam mir zu Ohren, dass der Baron, in seinem grünen Haus am Südhang, eine neue Köchin sucht ~ dies könnte ein Zeichen des Himmels sein!

Ich glaube… morgen, an meinem freien Tag,  werde ich dem alten Herrn mal einen Besuch abstatten…

Sonnenmondin

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ROTES HAUS

Rotes Haus
Totes Haus
Schwarz erstarrte
Stille stöhnt
aus leeren Augenhöhlen
Hoffnungsverdunkelt

Vorbei
Vorbei

Raphaela

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Morgendämmerung am roten Haus

Der blauschwarze
Nachthimmel weicht den
aufblitzenden Sonnenstrahlen des
neuen Tages.
Das Haus liegt am Hang,
sein Weg führt durch
kraftvolles, züngelndes Grün,
vorbei an gespaltenen Pappeln.
Was wollen sie sagen, was
wissen sie?

Gespaltener Himmel, gespaltenenes
Grün, wie geht es euch, Menschen?
Zwei Giebelwände fassen das
Haus. Wie gerahmt lehnt es
in ihnen. Winzige Fenster in
großer Höhe schauen mich an.
Das Haus wie leer, drinnen
Dunkelheit, am Schornstein kein Rauch.
Wo seid ihr, Menschen?
Lockt euch nicht der
neue Tag?

Der ferne Betrachter bleibt
stehen und schaut,
lauscht, wartet.
Gibt es dort Leben?
Kein Tier wohl beim Haus, kein
Kindergeschrei. Nichts.
Der ferne Specht erlöst
den Betrachter, sein
tok-tok-tok bringt
Hoffnung mit.

Ein Vogelstimmchen ganz
zart, mischt sich ein.
Erwacht nun das
Leben, vielleicht auch bei
Euch?
Noch steht der Betrachter
und wartet
und hofft.

U.N.

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Auf die (Holz-)barrikaden!

Mein Schornstein raucht nicht mehr!
Du fragst, wie es dazu kommen konnte?
Ich will es dir erzählen.

Weißt du noch, wir ihr am Vorabend der Aktion gemeinsam mit euren Freunden und Kampfgefährten zusammen gesessen und die letzten Einzelheiten eurer Aktion geplant habt? Alle waren voller Tatendrang und Erwartung, begleitet von einer großen Ungewissheit. Paul, euer Anführer und Motivator schwor euch auf das Ziel ein. Du erinnerst dich – selbst die größten Bedenkenträger unter euch ließen sich von der euphorischen Stimmung anstecken. Niemand schien mehr bereit oder fähig, über die Konsequenzen im Falle eures Scheiterns nachdenken zu wollen. Ewige Freundschaft und den unbedingten Willen zum Sieg hat sich die Gruppe geschworen. Ich bewunderte eure Entschlossenheit und den Willen, nichts dem Zufall überlassen zu wollen. Alles war bis ins kleinste Detail geplant. In der frühmorgendlichen Dämmerung des folgenden Tages sollte es losgehen. Ihr wusstet, die Zeit würde knapp werden. Viel hing davon ab, dass ihr rechtzeitig wieder zurück sein würdet.

Doch dann kam alles ganz anders.

Für die Gewinner des großen Baumsägewettbewerbs der Försterei Klein-Rottluff waren zehn Kubikmeter bestes Buchenholz ausgelobt worden. Mein Kamin glimmte nur noch auf den letzten Resten Holz. So sehr war ich auf das lebensnotwendige Kaminholz
angewiesen. Und dann werdet ihr disqualifiziert, weil ihr Deppen die Sägen vergessen habt. Nun ist der Ofen aus.

JHanik

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Im Turm

Der Sommer geht. Ich sehe aus dem Giebelfenster auf die Büsche, deren Blätter sich vom Grün abwenden. Der Winter wird kommen, und mit seinem Weiß den Weg und die Bäume bedecken, selbst das Dach des Hauses, so dass allein die roten Mauern von hier künden werden. Von Weitem mögen Besucher denken, dass etwas brennt inmitten der weißen Hänge. Bis sie näher treten und den rot bemalten Stein anfassen und spüren, dass er kalt ist. Kalt bis unters Dach, wo ich sitze und hinausschaue, diesen nächsten Winter lang.

Lisa Barth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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