Tag Archive | Poesie

Georges Lacombe: Maria Magdalena

7608640768_8e4e51ff65_z[1]

MARIA MAGDALENA

Sie liebt ihn,
weil Er sie liebt.
Sie weiß Ihn dort
an jenem Ort des Schweigens.
Und sehnsuchtsverzehrt
nach Seiner Nähe
verbrennt ihr Herz,
entflammt in Liebe,
die nichts will
als nur verschmelzen da,
wo ihre stummen Blicke
sich vereinen.
Nichts zählt mehr,
wenn diese Liebesströme
sich durchdringen.
Und – gleich der Hostie –
verwandelt sich ihr Leib
in reinen Geist.
Des Herzens Brennen:
Seelensehnen,
glücksel’ges Ahnen
des, was hie noch
trüb verschleiert,
dereinst im wahren Strahlen
für ewig sich wird offenbaren.

Raphaela

………………………………………………………………………………  Weiterlesen …

Advertisements

Fritz Mackensen: Der Säugling

Mackensen_Säugling

MOORMADONNA (1)

Mein Kind.
Du und ich.
Wir.
Geschlossenen Auges
Strömt still Kraft
Von mir zu dir.
Wirst bald doch entwachsen
Dem innigen Einssein,
Vergessen dies Paradies.
Nimm mit dann die Liebe,
Die heut mir entfließt.

Weiterlesen …

August Macke „Russisches Ballett“


m51764

Abgang mit Applaus

Du Schuft! Hoch und heilig hattest du mir versprochen,
sie nie wieder sehen zu wollen. Und ich habe dir geglaubt.
Dabei siehst du sie nicht nur, sondern spürst sie auch noch.
Und das vor all den Leuten.
Deine lächerliche Maskerade wird nur noch von ihrer vorgeblichen
Hingabe übertroffen.
Und das soll Kunst sein? Dieses alberne Getrippel auf den Zehenspitzen?
Beleuchter am Theater seiest du, hast du mir gesagt.
Ich sehe nur einen erbärmlichen Armleuchter.
Und eine Leuchte scheint sie auch nicht zu sein, was man so hört.
Wie ich mich Dir hingegeben habe, meinen Körper dir geschenkt.
Das Letzte was du nun noch von mir geschenkt bekommst, ist der Laufpass.
Und als letzten Akt deinen Koffer. Er wird mein Applaus für dein Schmierentheater sein.
Direkt vor deine Füße werde ich ihn dir werfen. Stürzest du dabei in den Orchestergraben, hätte dein Auftritt wenigstens noch ein Happy End –
für mich.
JHanik

…………………………………………………………………………….. Weiterlesen …

Adolf Luther: Hohlspiegelobjekt, 1967

 

Lutter 

Konvex- und Konkavspiegel, mit Gummipfropfen auf Plexiglasscheibe montiert, in Plexiglaskasten
153 x 153 x 11,5 cm, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Ich sehe mich an

und breche aus
kopfunter hänge ich
im Torso
leuchtend rot
von Fremden durchlaufen
kurz ruht mein Blick
im Silber
dann bricht erneut
der Schein
zersplittert meinen Körper
hundertfach
in neue Welten

Lisa Barth

……………………………………………………………………………………………………………………………………. Weiterlesen …

Max Beckmann: Die Dame im grauen Capuchon

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

*Erkennungszeichen ~ Reclam*
Nun warte ich schon den dritten Tag ~
wage nicht meinen Capuchon abzulegen.
Ich spreche mit niemanden und bin
voller Spannung …
bereit zum sofortigen Aufbruch,
bereit zur Flucht und ohne Gepäck.
Diamanten und Edelsteine all meiner
Verwandten sind im Pelz eingenäht,
Gulden, engliche Pund und Dollar
verbergen sich in breiten Säumen.
Äußerlich darf ich nicht auffallen ~
alles soll so ausschauen als wäre ich hier
nur für einen Kaffee und eine kurze Zeit
des Lesens.
Aber ich bin bereit für die lange Reise
über den großen Teich ~ Weiterlesen …

Jules Pascin: Die beiden Schwestern

IMG_0249-kl

Das Tannengesteck auf dem Tisch offenbart die Jahreszeit: es ist Advent.
Wieder einmal haben sie sich zum traditionellen Stollenessen verabredet.
Noch nie ist das Treffen ausgefallen und noch nie waren sich beide so sicher: dieses wird ihr letztes adventliches Beisammensein sein.
Der Blick in die Flamme lässt Lenchen, die jüngere der beiden Schwestern, nachdenklich werden. „Sie haben noch ca. ein Jahr, genießen sie es.“
Die Worte des Professors fahren in ihrem Kopf Karussell.
Wie sollte sie es ihrer geliebten Schwester mitteilen, die doch gerade so ganz andere Ziele verfolgte?
Ja, Singapur wird es sein, das hatte Mira ihr geschrieben, nachdem sie über zwei Jahre auf der Suche nach einem neuen Zuhause gewesen war.
Ein gemeinsamer Blick in die Kerze, die Flamme zuckt und züngelt, lodert auf, es knistert, sie droht zu erlöschen, doch wie durch ein Wunder erhebt sie sich wieder, wird stärker und nährt die Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Vielleicht in Singapur?
Aber gibt es dort Advent?

Irene Rodewald, Dezember 2012

……………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Weiterlesen …