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Gotthard Graubner, Lichttrampolin, 1970

Graupner_Lichttrampolin

Streitgespräch

Eva:
Schwarz muss weg
ist zu düster

Sabine:
Find’ ich nicht
Kontrast muß sein

Eva:
Das mag sein
doch das geht auch anders

Sabine:
Einverstanden
dann weg mit dem Schwarz

Eva:
Rot muss her
das peppt auf

Sabine:
Ja wie Peperoni
im Sahnebett

Eva:
Dazu passt dann auch
das Grün

Sabine:
Noch Pfeffer und Salz
für den Geschmack

Eva:
Wo bleibt da die Kunst
in diesen heil’gen Hallen

Sabine:
Es ist eben kein Einheitsbrei
die Gedanken sind frei

 

Im Museum Weserburg
Januar 2015

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Käfig 2014

Käfig

 

Abschied I

Mir fehlt die Energie, weiterhin so zu strahlen, als gäbe es nur mich.

 

Abschied II

Nach mir das Nichts. Dorthin ziehe ich mich nun zurück.

 

Abschied III

Ausbruch aus dem Gefängnis, verschwunden in die Nacht.

 

Abschied IV

Nur ein unverbesserlicher Optimist glaubt daran, dass Licht auch ohne Schatten existieren kann.

 

Der ignorante Optimist – Eine Schmähschrift

Ein Optimist ist ein Schöngeist, er verjagt trübe Gedanken und dunkle Schatten. Wo Schatten ist, verleugnet er ihn. Der Optimist ist nicht er selbst, sondern der, der es ihm erleichtert, sorglos durch sein Leben zu wandern. Er ist ein Schatten seiner selbst. Er lebt in einer Welt, die das Dunkel des Lebens ausgeblendet hat. Der Optimist negiert eine böse Wahrheit, indem er das Gute im Bösen sucht. So blendet er den Schatten aus, der ihn sonst im Dunkeln stehen lassen könnte. Seine Gedanken sind seine Finsternis, der er sich verweigert. So muss er sich nicht quälen mit Dingen, die ihm Unbehagen bereiten könnten. Was er nicht denkt, macht ihm keine Sorgen.

Den, den ich meine, das ist der ignorante Optimist.

Er liebt die Helligkeit, das Strahlen, das Reine – auch dort, wo Finsternis, Trübsinn und Nebulöses auf ihn warten. Er meidet den Blick auf diese Orte. Was er nicht sieht, existiert für ihn auch nicht.

Und so wandelt der ignorante Optimist in einer Welt, in der er glaubt, nur göttliche Güte und Gerechtigkeit zu erkennen, obwohl menschliche Bosheit, Unglück und Verderben auf ihn warten.

Der ignorante Optimist ist unrealistisch optimistisch.

JHanik

Hermine Anthoine, Untitled ’99

WB_Anthoine_Irene

(Bronze, Schmetterlingsflügel)

 

Blauer Falter
die Flügel einst gespannt
Himmelsfalter
im Flug vergeht die Zeit
Tagfalter
mit offenen Augen
die toten Brüder und Schwestern
Nachtfalter
es muss doch möglich sein
dem engen Raum zu entkommen
das Fenster im Blick
der Freiheit entgegen
gelandet auf dem Boden
der Zeit
Zitronenfalter flieh
es ist Bronzezeit
bleib Schmetterling bleib

Irene Rodewald
Oktober 2014

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„Wir alle fallen, diese Hand da fällt, es ist in allen“ R.M. Rilke

Wie in Herbstblattstürmen segeln sie zu Boden. Dort bleiben sie liegen, halb Blätterteppich, halb Blumenwiese. Mit schimmerndem Blau und Grün und Tarnbraun – und Punkten. Sie sehen heißt den Flügelschlag spüren, der nun verloren ist. Und den Flieder, der immer ein Stück zu weit über den Gartenzaun ragte. Mit der Holzbank darunter, schon grau geworden und voller Moos, auf der sie trotzdem immer saß.

Sie sterben, wenn man die Flügel anfasst und damit den Staub an den Fingern kleben hat, haben sie mir früher immer gesagt. Nun liegen sie alle hier und niemand denkt mehr an ihren Staub und wie leicht sie einreißen, die zarten Flügel. Borboletas, Schmetterlinge, verfangen in der Geschwindigkeit von Autos. Die, die noch als grüne und gelbe Wolken über dem Fluss tanzen, wissen nichts von der Gefährlichkeit der Straße. Hier interessiert es keinen und das schöne Wort verwischt in seinem Hall.

Im Sommer – war es wirklich Sommer? – tanzten sie immer über die lila Blüten, vor allem Zitronenfalter und Tigeraugen, d weiß ich noch. Die Katze auf der Lehne, nach ihnen haschend, erwischte doch nie einen. Und manchmal setzten sie sich auf Kopf oder Arm. Dan fächelten sie kurz, als wäre das ihr Art, die warmen Gemüter abzukühlen und blieben einige Zeit andächtig sitzen.

Es hat etwas paradox Beruhigendes, einen hektisch flatternden Schmetterling zu sehen, so wie einen Kolibri, weil deren Tempo alles Menschenmögliche übersteigt. Und einfach nur eine Zeitlang zu sehen. Durchatmen. Doch jetzt segeln sie zu Boden und bleiben liegen, halb Blätterteppich, halb Blumenwiese. Als sei ihr Winter gekommen, würde sie bald mit Schnee umschlingen und ihnen hoffentlich nicht alle Farben nehmen. Nur die Bank ist inzwischen morsch – und der Flieder kahl. Hier wird niemand mehr sitzen. Aber die Schmetterlinge werden sich einen anderen Flieder suchen, wenn wieder Sommer ist.

Johanna Schwarz

Wuramon – das Seelenboot, 2014

WB_Seelenboot_Jürgen_Renate

Wuramon – das Seelenboot

Ich sitze am Ufer ~

in der Abenddämmerung taucht ein Boot auf ~ lautlos

die Insassen ~ es sind Geschöpfe der Erde

zu Wasser und zu Land

und doch aus einer anderen Welt.

Ruhe und Frieden breitet sich aus…

Wie eine sanfte Einladung

empfinde ich, was vor meinen Augen dahingleitet.

„nehmt mich mit …

nehmt mich mit“

rufe ich zaghaft und freudig

und es schalt zurück:

„ein andermal …

ein andermal …

heut´ nicht…“

 

Sonnenmondin

Arman: Akkumulation

Arman: Akkumulation

 

Arman: Akkumulation – Schwarze Federn in Wachs
Weserburg Bremen: Existenzielle Bilderwelten

 

Der schwarze Schwan

Der schwarze Schwan
er tanzt nicht mehr
an seiner Federkiel
hängt noch Erstaunen

die Königin der Nacht
hat es ihm angetan
ganz leis versprach´s
ihr Flügelschlagen

Der schwarze Schwan
er singt nicht mehr
hat Federn lassen müssen
~ atemlos im Karneval

Der schwarze Schwan
er träumt jetzt mehr
mit jedem neuen Morgen

Sonnenmondin

……………………………..

Du
reißt mir
die Kiele
aus den
Poren
ein Jahrhundert lang
bis ich mich
federlos
dem Fleisch
zeige.

Der Schmerz in den Gliedmaßen ließ sie erwachen.
Außen saß das Fieber, das die Poren entzündete und den Schrei in der Kehle verbrannte.
Das Blut tropfte, noch einen Moment am Körper mäandernd, aus den Hautspalten, sammelte sich in kleinen Teichlandschaften am Boden.
Schwarz wie einst ihre Federn umhüllte sie ihre Haut.
Offenen Mundes verblieb sie einen Moment zwischen Fragen und Erkennen, breitete die Arme aus und spürte, dass die Nacktheit ihr nichts ermöglichte.
Das rötliche Pulsieren verebbte nach einem zweiten Versuch und sie fiel, den Blick nach oben gerichtet, in die Antworten zu ihren Füßen.

Lisa Barth