Max Slevogt: Die schwarzen Panther, 1902

Die schwarzen Panther

 

Papierpanther

Aus dem Kopf

durch die Hand

mit Restfarben

aus dem Aschemilieu

wähnt Herr S. wohl

das Tier gefangen

 

Auf dass er sich nicht täusche

denn jeder Panther

verließe sofort

diese Reproduktion

Und so bleibt uns

nur die Hülle

 

S.I.

……………………………………………………….

Sonnenflecken

Beamtin. Sicherheit. Endlich.   –   Dachte sie.
Ein freier Vogel war sie. Flog herum und bediente alle ihre Talente. Geatmet, getanzt, gewirbelt, geneugierelt. Das Eigene hat sie immer wieder neu geboren.

Und dann. Als ob man die Muster der Ahnen nicht einfach abschütteln kann. Sie drängen sich mit Macht in die Großhirnrinde, in das Blut, in die Poren und platzen langsam aber nachhaltig wie ein Geschwür: Sicherheit, Dienen, Maul halten, Still gestanden.

Das Konto wächst, der Panther auch. – Aber nicht der geschmeidige, schwarz glänzende, der durch sein Gebiet schreitet, galoppiert. Nein.

Der geschrumpfte mit dem stumpfen Fell stapft schwer hinter Gitterstäben und bewundert reumütig die Sonnenflecken – draußen.

HAAALT. Genug auf- und abgegangen, hin- und hergelahmt in bewusstloser Routine. – Der Panther küsst den Wärter und – öffnet das Tor. „Willkommen, meine Sonnenflecken.“

Irene Jasca

……………………………………………………………….

 

Schlechte Aussicht

Ihr habt es nicht anders verdient! Gejagt habt ihr mich. Verfolgt, gehetzt, verletzt und gedemütigt. Für euch war ich nur eine Trophäe, die es galt zu erlegen. Die Gier nach Macht war eure Triebfeder – feindliche Gesinnung das Ergebnis. Euer Jagdfieber hat vor keinem miesen Trick Halt gemacht. Mit Fallgruben und Fallstricken wolltet ihr mich erlegen. Aber ich war zu schlau für euch, war immer eine Tatze voraus. Klar im Verstand, wo ihr von Hass und Trieb geblendet ward. Rücksichtslos durchstreiftet ihr den Dschungel, als sei er eure gute Stube. Aber er ist meine Welt, dort kenn ich mich aus. Mit eurer Brandrodung habt ihr sie zerstört. Euer nie nachlassender Ehrgeiz sollte Furcht einflößend sein. Aber er hat euch nur geblendet, euch eine vermeintliche Überlegenheit suggeriert. Bei meiner Flucht in die Stadt der tausend Tempel glaubtet ihr mich endgültig in die Enge gedrängt zu haben. Aber auch in diesem Labyrinth bin ich zu Haus, ihr nur Eindringlinge. Und so seht ihr nun die Welt nur noch in Streifen. Und den Schlüssel für den Käfig habe ich!

JHanik

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