Anonym: Vanitasstillleben

Anonym_Vanitasstillleben

 

WAS BLEIBT

Vielleicht das:
Ein wenig Asche
Bleichgesät auf grünen Rasen

Oder das:
Ein Meter quer, zwei Meter längs

Oder das:
überfüllter Schreibtisch
Sätze gekritzelt
Flüchtige Gedanken
Lebenssplitter

Oder das:
gesammelte Bilder
Erstarrte Lebendigkeit

Was bleibt?
Eine Ahnung von mehr
Geöffneter Himmel
Augenblickslang
Das bleibt!

Raphaela

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Was bleibt

was bleibt
wenn alles geht
es bleibt die Rose
es bleibt der Kelch
der Mensch zu Staub zerfällt
es bleibt der Geist
es bleibt die Seele
sieh an das Erbe auf dem Tisch
es bleibt die Flöte
es bleibt das Licht
der Mensch, er hat gelebt
nun ist er fort
was bleibt vom Tag
wenn alles geht
es bleiben die Fragen
die Antworten, die schweigen.

Irene Rodewald

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Unschuld  

Meine sanfte Göttin,
danke, dass du mir an meinem Todestag
immer eine rosa Rose schenkst.
Danke, dass du meinen Schädel hast vergolden lassen.
Danke, dass du mir einen Altar gewidmet hast.

Ich fühle mich so geborgen
zwischen unseren Liebesstücken:
Unsere Briefe aus Pergament,
unser  Weinkrug aus Zinn, der den blutroten Zinfandel für uns kühlte,
damit wir unsere heißen Zungen laben konnten,
meine hölzerne Flöte, mit der ich mich so oft in deine Seele spielen konnte.
Wie habe ich das alles genossen,
den schönsten menschlichen Traum zu leben – mit dir.

Bis  E R kam!
Dein Cousin, dein Cousin aus Kindertagen,
sagtest du, als er immer öfter bei uns ein Gast war.
Das machte seine kantige männliche Schönheit
so harmlos für mich…
Bis eines Tages – ein neues Kind
in deinen Armen lag, glutäugig wie er.

Da wusste ich, dass nun Dunkelheit
über mich kommen würde,
Zinfandel, Flötenspiel, Liebesschwur – passé!
Ich fühlte mich so bleischwer,
wie ausgelöscht mein Seelenlicht.
Da nahm ich meinem Körper
das Leben –
und fühlte mich so wohl
als goldner Totenschädel von dir beweint zu werden.

Nur einen Wunsch habe ich,
meine Immer-noch-Liebste:
Schneide ihn heraus
aus unserem Bild, mitsamt der falschen Leibesfrucht.
Damit du wieder meine sanfte
unschuldige Göttin sein kannst.

Gwyneth

 

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Da sieht man es wieder,
hier tobt der Bär,
weil die Tapezierer gekommen sind,
und statt mit anzufassen
drapiert der feine Herr
seine wichtigsten Dinge
~Männer-Schnickschnack,
den keiner Mensch braucht~
mit einem Seitentuch auf dem Karton
zu einem Stillleben…

Dafür ist jetzt wirklich
nicht der richtige Zeitpunkt.
„Herfried, lass das nach ~
hilf mir lieber im Flur
die Garderobe abschrauben
und die Anrichte in der guten Stube
muss auch noch in die Mitte gerückt werden.“

„Ach, Herma, lass mir doch die kleinen Freuden,
gleich kommt Vincent vorbei und will uns helfen.“
Wusste ich’s doch ! ~
…. und wie ich sehe, ist er schon im Anmarsch…
Natürlich ~ wieder mit seinem Zeichenblock unterm Arm
… helfen wollen …
von wegen….

Sonnenmondin

 

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