Georges Lacombe: Maria Magdalena

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MARIA MAGDALENA

Sie liebt ihn,
weil Er sie liebt.
Sie weiß Ihn dort
an jenem Ort des Schweigens.
Und sehnsuchtsverzehrt
nach Seiner Nähe
verbrennt ihr Herz,
entflammt in Liebe,
die nichts will
als nur verschmelzen da,
wo ihre stummen Blicke
sich vereinen.
Nichts zählt mehr,
wenn diese Liebesströme
sich durchdringen.
Und – gleich der Hostie –
verwandelt sich ihr Leib
in reinen Geist.
Des Herzens Brennen:
Seelensehnen,
glücksel’ges Ahnen
des, was hie noch
trüb verschleiert,
dereinst im wahren Strahlen
für ewig sich wird offenbaren.

Raphaela

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Ich trage das Rot
wie du es in mir säst
und auf meine Haut legst
jeden Tag

Lass mich dich atmen
weiterhin
für den, der an mir
schabt
und die, der ich
entgegenblicke

Und wenn die Dämonen kommen,
lass sie mich bändigen
mit meinen Haaren
und sanfte Muster
in den Himmel schreiben.

Mit rotem Leben gefüllt
in meiner Hand.

Lisa Barth

…………………………………………………………………………….

Ich, Maria aus Magdala
in Gips gegossen
bin erstarrt auf meinem Sockel
eine Hand auf dem Herzen
für immer
eine Hand auf dem Knie
für immer
mein Rücken gebeugt
mein Blick gesenkt
mein Mund geschlossen
für immer
so soll es sein
haben sie gesagt
doch ich sage euch
lange wird es nicht so bleiben
ich werde mich befreien
der Gips wird zersplittern
meine Hände sich lösen
der Rücken sich aufrichten
der Blick nach vorn sich wenden
ich werde euch berühren
mit Herzen, Mund und Händen
ich werde in Stärke verwandeln alles
was heute noch kraftlos ist
ich werde euch trösten wenn ihr weint
ich werde reden wo ihr schweigt
ich werde säen und ernten
ich werde die Schöpferin der neuen Welt
ich werde bei euch sein
bis an das Ende eurer Tage
Ich, Maria aus Magdala

Irene Rodewald
April 2013

…………………………………………………………………………….

Ganz und gar
bei mir sein

mich nicht verrückt machen lassen
vom Weltenkarussell

schweigend im Geiste
ruhend im Handeln

hingegen lauschend im Herzen,
was es bei all dem Getöse
zu sagen hat

eine klitzekleine Weile
~ einfach nur ~
bei mir sein
ganz und gar

Sonnenmondin

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Herr, sieh deine Dienerin an!
Ich beuge meine Knie demütig vor dir.
Ich schließe meine Augen, damit ich nicht
abgelenkt werde von Äußerlichkeiten!
Meine Hand liegt auf meinem Herzen,
ich öffne es vor dir!
Ich will vor dir meine Gedanken ausbreiten,
ich bitte dich höre mir zu.
Ich weiß, du hast mich ausgesucht
um am Ostermorgen vor mir zu stehen.
Ich bin atemlos vor Glück,
dass du lebst.
Ich habe es allen gesagt, die dich kennen:
du lebst!
Ich bitte dich:
lass mich nicht hochmütig und stolz werden,
weil ich auserwählt bin.
Mein größtes Glück ist es,
in deiner Nähe zu leben,
schick mich nicht fort.
Ich möchte deine Worte hören,
solange du bei uns bist.
Ich möchte dich verwöhnen,
solange du einen menschlichen Körper hast.
Ich hoffe, dass diese Zeit ewig dauert.
Aber ich weiß, dass du zu deinem Vater heimkehrst.
Dann wird mein Leben zu ende sein –
denn ich lebe nur durch dich.
Amen

KIRUNA

………………………………………………………………………………

Ein Dilemma
Bekenn ich mich zu ihm, begleitet mich der
Schmähgesang der Neider. Leugnete ich die
Kraft unserer Liebe, verleugnete ich seine Zu-
neigung. Irdisch sind unser Gefühl und unser
Verlangen. Höllisch dagegen die Niedertracht
seiner Jünger. Wo ich von reinem Herzen bin,
begegne ich der Missgunst anderer. Meine
glühende Verehrung wird geblendet von Fackeln
der Bosheit. Öffnete ich mich seiner Liebe,
blieben mir die Ohren der Hörenden verschlossen.
Würde ich mein Glück in die Welt hinaus
schreien, wäre das Echo Ablehnung und
Ausgrenzung. Erzählte ich von den gemeinsamen
Stunden der Glückseligkeit, würden sie mir Pech
und Schwefel wünschen. So bleibe ich allein.
Selbst mit ihm zu zweit – allein. Aber wie immer
ich mich auch entscheide: Eines solltet Ihr da
draußen wissen. Zur Sünderin taug ich nicht.

J. Hanik

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Ich sehe von Ferne einen geformten Gipsklotz auf Sockel.
Dann trete ich näher heran. Soll es ein Mensch sein?
Ich setze meine Brille auf.
Ah ja, es scheint sich um eine Frau zu handeln.
Soweit erkennbar, soll sie ein rotes Kleid tragen.
Die Haare der Frau fallen zu beiden Seiten ihres Gesichts herab.
Die Augen der Frau sind geschlossen.
Beide Mundwinkel hängen leicht.
Die Gesichtszüge wirken auf mich entspannt, aber auch konzentriert.
Die Frau hat den rechten Arm angewinkelt, die Hand ruht in der Herzgegend.
Mir fällt auf, dass die Frau kniet. Der linke Arm liegt auf dem Oberschenkel.
Was mag diesen Menschen dazu bewogen haben, sich hinzuknien?
Welche Gewalt hat dieser Frau das „Knie nieder!“ befohlen?
Ich stelle fest, dass ich die dargestellte Pose nicht mag.
Zu erfahren ist, dass die Frau Maria Magdalena genannt wird.
Ihre Körperhaltung soll eine religiöse Geste darstellen.
Mir ist dergleichen fremd. Wie kommt ein Mensch auf die Idee, vor jemandem oder etwas auf die Knie zu gehen?
Doch, da fällt es mir ein! Mein Vater nannte ihn „Herbert Frahm“ oder „Whískey-Willi“.
Dieser Kniefall des Willy Brandt ist der einzige mir erinnerliche Kniefall, der mir das Gefühl von Hochachtung für den Menschen Willy Brandt vermittelte.
Auch wenn es eine einstudierte Geste gewesen sein mag, ich habe es ihm damals geglaubt.
Ebenso mag der Kniefall dieser Frau aus Gips in den Zusammenhängen ihres Lebens und ihrer Zeit andere Menschen berührt haben. Dies scheint der Künstler sagen zu wollen.
Ich setze meine Brille wieder ab. An wen nur erinnert mich das Gesicht der Frau?
Da, ein plötzlicher Einfall!
Mit einer runden Brille versehen, hätte es für mich Ähnlichkeit mit John Lennon!
Ja, ich stelle es mir vor. Imagine.

U.N.

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Sie kniete mit geschlossenen Augen fast wie eine Statue ganz am anderen Ende des Raumes. Ihre langen roten Haare lagen offen wie ein wärmender Mantel um sie. Ich bewegte mich leise auf sie zu. Ihre Botschaft war kurz gewesen. ‚Komm. so schnell wie möglich. Bring das Kind mit.‘ Das Kind schlief. In meinem Arm. Sie hatte uns noch nicht bemerkt. Sie sprach wie zu sich selbst mit leiser Stimme. Während ich mich ihr langsam näherte, konnte ich einzelne Worte ausmachen. ‚Hilfe, Kraft, mach, dass es gelingt, gelobet seist du, die Unsäglichen.‘

Ich wagte nicht, sie zu unterbrechen und blieb mit dem Kind in einiger Entfernung stehen. Wie lange sie hier schon kniete? Wie mächtig ihre Haltung war! Die weise Alte. Sie war es, die alle Fäden mit ihrem unendlich starken Willen und ihrer klaren Entschlossenheit in der Hand hielt. Hatte ein Netz gesponnen, das die fangen würde, die dem Kind Schaden zufügen wollten. Eisern war sie, wenn es darum ging, Böses abzuwenden. Wie ich sie bewunderte. Wie ich ihr vertraute. Ach, dass auch ich einmal in meinem Leben so in mir und meiner Kraft ruhen könnte. Alles was sie von mir verlangte, würde ich tun.

Da bewegte sich das Kind, reckte die kleinen Fäuste in die Luft und schlug die Augen auf. ‚Willkommen‘, begrüßte uns Maria Magdalena. Sie stand auf und bedeutete mir, ihr zu folgen. Wir verließen die Halle durch eine versteckte Tür. ‚Wir müssen uns beeilen, das Schiff liegt im Hafen bereit.‘

Dank Dir. Auf in die Freiheit.

L. Reichel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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