Friedensreich Hundertwasser: Die Linie des Lebens 2012

Linie1

LINIE, SPIRALE UND RAUM

Linie und Raum.
Linien im Raum.
Was ist Linie?
Non vitae sed scolae discimus.
Drei Orte. A,B,C.
Ziehen Sie eine Linie von A nach B nach C.
Wie groß ist die Entfernung von A nach C?
A quadrat plus B quadrat gleich C quadrat.
Pythagoras.
Dreiquadrat plus vierquadrat gleich fünfquadrat.
Schulleben gleich Lebensschule?
Habe ich irgendwas falsch verstanden?
Oder falsch erinnert?
Oder hat Pythagoras etwas anderes gemeint als wir verstanden haben?
Das männliche Prinzip, die Ungerade, die Drei.
Das weibliche Prinzip, die Gerade, die doppelte Zwei.
Sie verbinden sich.
Aus der Vereinigung werden viele.
Nichts bleibt gerade.
Das ist das Leben.
Auf eine einfache Formel gebracht.
Nicht auf Linie:
Lebensformel!
Wussten sie das, die uns Linien lehrten?
Uns in Notenspiegel packten?
Das Gedächtnis treibt ein barmherziges Spiel.
Sortierte aus.
Wir bewahren das Krumme,
das neben der Linie.
Das geben wir weiter.
Non scolae sed vitae discimus.

Raphaela

Mach bloß nix gerade

Linien von einem Punkt zum anderen
können verschnörkelt und verschlungen sein,
verspielt und forsch,
aneinander vorbeiziehen und sich kreuzen
sich winden und in Spiralen
ihren Weg fortsetzen
rund und eckig
jedoch … ein bisschen „fast-rund“ & „fast-eckig“
in völliger Bewegung
sich immer wieder neu erfinden

und woher kenne ich das ?

von dem was ich Leben nenne
wo jeder Tag alleine für sich
unterschiedlich ist…
und sich wie die Linien aneinander reiht
an gestern und vorgestern
aber auch das sieht nur so aus,
denn heute ist anders als gestern,
weil ich fühle, schmecke, lebe
und morgen beginnt bereits
die Unendlichkeit

Werden sich unsere Linien kreuzen ?
~ wer weiß ~

ich lasse mich tanzen
als das rot & gelb
mal dick, mal dünn
als das grün & blau
mal verhalten, mal stürmisch

gestern schwarzweiß
heute bunt
fast gradlinig
und immer
neugierig

Sonnenmondin

„Die Linie“

 Du umgibst mich
überall bist du
wohin ich auch schaue
schwarz und rot
zwischen drin ein freier Raum
lässt mich atmen
türmst du dich auf
kraftvoll dich erhebend
um doch gleich wieder hinab zu fallen
Anfang und Ende
nicht vorhersehbar
Vergangenheit und Gegenwart
aufgefächert liegst du vor mir
ich folge dir
bis trunken taumelnd
du mir meine Grenzen zeigst.

Irene Rodewald

 

Lebenslinie
Los geht’s
Mit einem Schritt
Hinein in das Ungewisse
Abenteuer

Ja, das Leben ist ein Abenteuer, ob man es will oder nicht. Nichts geht so wie geplant oder wie gewünscht. Es beginnt als Linie und windet sich dann, zum Teil ganz sanft, dann steil hinauf und hinunter wie eine Achterbahn. Halt! Keine Klischees! Spiralförmig aber nicht gleichförmig. Spirale des Lebens, als Punkt beginnend und immerwährend im Kreis. Nicht kreisrund, sondern oval, wenn eckig und rechteckig nur mit abgerundeten Ecken, wellenförmig. Es macht Kopfschmerzen und bringt Kreislaufprobleme mit sich. Vorsichtig tapsend, nur nicht zu schnell, sonst wird es einem schwindelig und doch ist es immer wieder überraschend. Eben noch duselig im Kopf, laufen die Gedanken schon wieder voran. Schritt für Schritt nach vorn und manchmal auch einen Schritt zurück. Das Leben ist Bewegung, eine Reise.  Was passiert als nächstes? Was wird morgen sein? Wie viele Umwege müssen wir gehen, um ans Ziel zu gelangen?

Lebenslinie
Kein Plan
Was erwartet mich
Hier, heute, morgen, übermorgen
Fragezeichen

Sabine Müller, Bremen

 

Rot und schwarz. Klare Farben. Auf weiß. Manch schwarze Linie grau. Manch rote Linie rosa. Voller Enthusiasmus an die kahle weiße Wand gebracht. Mit Feuereifer, mit Elan, stundenlang die gleichen Farben. Tagelang. Nichts anderes. Als ob man sich in einem Gehirn befindet, höre ich. Kein Gehirn, Leben, die Lebenslinie. Ungebrochene Linien, gewellt, gedreht, schnörklig, kurvig. Mal dicker, mal dünner. Gute und schlechte Tage. Jede Kurve anders, was kommt als nächstes? Linien werden zu Wellen.

Rot und schwarz. Ein Herz aus Linien. Klein. Mitten an der Wand. Versteckt, verloren. Kaum zu sehen. Ein winziger Fleck Liebe. Liebe,  nur diese kleine Stelle.

Farben spiegeln sich im Boden, hochglanzpolierter Terrazzoboden. Linien – auch auf den Fenstern. Das Tageslicht wiederholt das Kunstwerk auf dem Boden. Als Schattenspiel. Wolken ziehen vorbei. Farben werden blasser. Wieder klarer. Schmerzend mit Sonnenschein.

Ergriffen von Klarheit, fühle mich offen, verletzbar, beobachtet. Jemand prüft mich. Meine Linien. Blickt herab. Geht vorsichtig jede Kurve ab.

Rot und schwarz. Menschen schlendern vorbei. Prüfende Blicke auf meine Linien. Traurigkeit umgibt mich, sie treten meine Schattenlinien. Hört auf. Schmerz. Schwarze Linien treten hervor. Rote bleiben zurück. Tränen in den Augen. Das Böse. Nicht weinen. Blicke auf das Herz. Lächeln, ein kleiner Fleck Liebe.

Rot und schwarz. Der Hall fällt mir auf. In diesem Raum. Die hohen Decken geben Stimmen wieder,   eine längst vergessene Erinnerung.
Wabernde Stimmen verlieren sich im Raum. In Schwaden. In Fetzen. Bruchstücke. Krallen sich an  Linien fest. Einzelne Worte fliegen zu mir. Kein Zusammenhang, wieder vergessen. Mischen sich mit dem Gesang des Nebenraums. Technisch festgehaltenes Leben von Hundertwasser. Höre mehr Schritte als vorher. Nebenan füllt sich der Raum. Leichte Hektik verbreitet sich. Blicke hoch.

Rot und schwarz. Schritte verhallen. Mischen sich mit Wortfetzen. Schweigen, Ruhe, Einsamkeit. Hier in meinen Linien. Der Film beginnt. Will ihn nicht sehen. Will nur den Gesang hören, die Musik. Dieser Gesang lässt mich hin und her schwingen in meinem Stuhl. Verzaubert schließe ich die Augen. Öffne sie wieder. Starre auf  die Linien. Schwerelos. Trunken. Reite auf Linien, quer durch den Raum. Von Wand zu Wand. An Wänden empor, über den Boden und wieder zurück. Beobachte mich von oben. Öffne die Augen wieder, konzentriere mich, gemalte Linien.

Rot und schwarz. Ansatzlos.

Kann nicht ewig bleiben.  Verschließe meinen Geist, zwinge meine Gedanken. Zurück ins Hier und Jetzt. Atme tief. Sauge die Linien nochmal ein. Verlasse den Raum der Linien. Wahrscheinlich für immer.

Stephanie Mertens

 

 

Linie2

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