F. Hundertwasser: Der Bart ist das Gras des Kahlköpfigen

spiralenmalender-Künstler2

geschichtetes gras
wachsend überwuchernd
ich entstehe
bin entstanden aus einzelteilen
schicht für schicht
was bleibt
um die mitte herum
wenn verdorrt das gras
entblättert der kopf
zerfällt die mitte
bleibt das ich
in der geborgenheit des grases
weiter wuchernd
bis hin zur goldenen spitze

Irene Rodewald, November 2012

Auf ersten Blick:
ein riesiger Baumstumpf.
Gefällter Baum.
Jahresringe, viele, viele.
Unzählbar.
Jahresringe. Jahresriesen.
Methusalem.
Der Kern: tiefdunkel.
Auch er wuchs. Feuer der Jugend, das schnell verblasst.
Grünkraft umgibt ihn.
Grünkraft wie Leben.
Der Bart ist das Gras des Kahlköpfigen.
Gefällter Baum wie kahler Kopf.
Nichts wächst mehr auf erkahltem Kopf.
Bäume werden gefällt.
Der Mensch wird gefällt.
Die Jahre fällen den Menschen.
Und doch:
Das Leben bleibt in ihm lebendig.
Grünt weiter.
Nicht in die Höhe
Grünt in die Tiefe.
Grünt im Blick.
In Gedanken.
Im Wissen um vergangenes Leben,
um Schmerzen und Nöte.
Rot der Mund.
Rot die Wangen.
Rot wie Blut.
Rot wie warm.
Warm wie Leben.
Trauer im Blick.
Trauer um all das löchrig Gewordene.
Tränen netzen das Land.
Abschiedstränen.
Lassen Zukunft neu ergrünen.
Kreislauf.
Ewig.
Von Abschied und Neubeginn.
Von Vergehen und Werden.
Nichts ist umsonst.
Nicht Abschied,
nicht Tränen,
nicht Trauer.

Raphaela

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